Fünf wichtige Fragen zur Kanalsanierung Was macht die Kanalerneuerung so kompliziert? Die Heilquellen sind sehr sensibel. Bauarbeiten im Untergrund der Innenstadt wirken sich auf das Heilwasser aus. "Das ist nachgewiesen", sagt Hornung. Im schlimmsten Fall könnte sich die Mineralisierung des Heilwassers verändern. "Sobald sich etwas an der mineralischen Zusammensetzung ändert, können wir den Status als Heilquelle verlieren", warnt er. Die Brunnen könnten aber auch trocken fallen oder das Heilwasser könnte verschmutzt werden. Solche Fälle gab es bereits. Bei der ersten Kanalbaustelle Ende des 19 Jahrhunderts sank der Grundwasserpegel, woraufhin der Maxbrunnen versiegte. In den 1980er Jahren war wurde ebenfalls der Maxbrunnen geschlossen, weil er verunreinigt war. Was wird gemacht? Der Kanal und viele Hausanschlüsse zur Grundstücksentwässerung sind undicht. Abwasser tritt in das Grundwasser aus. "Das darf nicht sein", meint Hornung. Die Stadt plant, in den Nebengassen einen neuen Kanal auf dem alten zu verlegen. Der alte Kanal soll mit einer Drainageleitung ausgestattet werden, so dass er den Grundwasserpegel reguliert. Über dem Hauptkanal werden hingegen keine neuen Rohre verlegt. Er wird mit einem Innenschlauch mit Drainagefunktion erneuert. "In Deutschland wurde so etwas noch nicht gebaut", merkt der Tiefbauchef in Bezug auf die ganze Kanalsanierung an. Planung und technische Umsetzung sei schwierig, weil es keine Erfahrungswerte gebe. Was bedeutet das für die Hauseigentümer? Die Hauseigentümer sind verpflichtet, die Hausanschlüsse auf eigene Kosten abzudichten oder zu erneuern. Außerdem haben sie die Hausanschlüsse höher zu legen. Im Einzelfall können die nötigen Baumaßnahmen teuer werden. Konkrete Summen nennt Hornung nicht, schätzt aber, dass sie im zehnt ausender Bereich liegen. Was wird jetzt gemacht? "Der nächste Schritt ist die individuelle Beratung mit den Eigentümern. Wir haben 150 Eigentümer, die wir ansprechen müssen", erklärt Hornung. Für jedes Haus ist zu klären, welche Arbeiten gemacht werden müssen und wann. Gasse für Gasse werde exakt durchgeplant. Welche weiteren Risiken gibt es? Der Boden, auf dem die Innenstadt steht, ist setzungsempfindlich. Außerdem sind viele Fundamente schlecht tragfähig "Wenn sie ein Glas Grundwasser aus dem Boden entnehmen, neigen sich die Gebäude", verdeutlicht der Leiter des Tiefbauamts. Wird eine Gasse aufgegraben, müssen diese Häuser aufwendig unterfangen werden.
Saale-Zeitung 19.02.2016
